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Blindenverein warnt vor Betrug

11.04.2018
Ein dubioser Anbieter sammelt in Bautzen und Bischofswerda Altkleider und Elektroschrott – angeblich für die Blindenhilfe. Doch diese distanziert sich klar.

Bautzen. Es ist ein nur unscheinbarer Zettel, den Gabriele Tschanter kürzlich in ihrem Briefkasten fand: In Postkartengröße bittet ein unbekannter Absender in roten Buchstaben um Altkleider- und Altgerätespenden. „Früher habe ich solche Handzettel gar nicht beachtet und weggeschmissen,“ sagt die 55-Jährige. Seit etwa einem Jahr ist das anders. Aus gutem Grund: Damals wurde Gabriele Tschanter erstmals auf einen Flyer aufmerksam, der mit dem sozialen Vorwand der Blindenhilfe für eine Sammelaktion warb. Jetzt ist das erneut passiert. Das ist bitter für die stellvertretende Vorsitzende der Bautzener Kreisorganisation des Sächsischen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (BSVS).

„Es ärgert uns sehr, wenn aufrichtige Menschen auf solche Weise für dumm verkauft werden und vielleicht tatsächlich denken, dass sie unsere Arbeit unterstützen – in Wirklichkeit aber einem Betrüger auf den Leim gehen“, findet auch Ingrid Kretschmar. Gemeinnützige Vereine finanziell am Leben zu erhalten, ist keine leichte Aufgabe. Das weiß die 71-Jährige, die lange Zeit Vorsitzende der Kreisorganisation war und noch immer als Ehrenmitglied im Vorstand tatkräftig die Arbeit des BSVS vorantreibt, nur zu gut. Dubiose Geschäftemacher erschweren das Werben um Spenden dabei noch zusätzlich.

Natürlich sei der Verein auf Spenden angewiesen, bekräftigt sie, aber auf etwaige Spender gehe man in aller Regel direkt zu – wie es sich gehört per Anschreiben mit Briefkopf und Ansprechpartner. Bei dem Inhalt der Schreiben handele es sich allerdings in erster Linie um Bitten um Geldspenden. Nach ausgewählten Sachspenden wie Alltagsgeräten zur Unterstützung und Förderung der selbstständigen Lebensweise von Blinden und Sehbehinderten wird seltener gefragt. „Mit Altkleidern oder Altgeräten können wir rein gar nichts anfangen,“ betont Ingrid Kretschmar: „Wir können sie weder abholen, noch sortieren oder weiterverteilen. Mit solchen Aktionen hätten wir noch zusätzliche Ausgaben, weil wir den Auftrag dazu vergeben müssten.“

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