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Warum Afrika unsere Altkleider nicht will

02.07.2018
In Deutschland sind Textilien Wegwerfware. Viele Altkleider kommen nach Uganda oder Tansania. Dort wollen Politiker den Import verbieten. Einfach ist das nicht.

Es regnet in Strömen auf dem Saint Balikuddembe Market von Kampala, einem der größten Märkte in Uganda. Händler Haruna Nyombi zerrt eilig hunderte Jeans und T-Shirts in seine Betonwabe, schließlich hält die Plastikplane vor dem Stand das Wasser nur mühsam fern. Es ist Samstagnachmittag, normalerweise eine Stoßzeit mit dutzenden Kunden. Doch nun, wo das Wetter das Geschäft bremst, bleibt Zeit zum Lästern.

Nyombi, 25 Jahre alt, glaubt, dass er gerade Zeuge einer gewaltigen Verschwörung wird. Die ugandische Regierung strebt das Importverbot seiner Ware an. Gebrauchte Kleidung, importiert aus Industrienationen wie Deutschland, erdrücke die lokale Textilbranche, lautet die Argumentation. Wenn diese Konkurrenz wegfalle, könnten zehntausende neue Jobs entstehen, versprach ein Minister.

„Alles Propaganda“, sagt Nyombi, „da wollen sich ein paar Herren eine goldene Nase verdienen.“ Der Händler hält zwei Jeans in die Höhe. Die neue aus China bietet er für 50000 Schilling an, umgerechnet elf Euro. Die gebrauchte aus England hat an den Fußenden ein paar Fransen, sie kostet fast sieben Euro mehr. Trotzdem verkauft Nyombi zu 80 Prozent Gebrauchtware wie diese. Der Baumwollanteil ist höher, sie hält länger, sagt Nyombi. Warum er diese Kleidung künftig nicht mehr verkaufen soll? „Die Politiker hängen mit im Geschäft mit den Chinesen, sie wollen deren Konkurrenz rausdrängen.“

Das Thema bewegt die Ostafrikanische Gemeinschaft (EAC) seit dem Jahr 2015. Damals beschlossen die Mitgliedstaaten Kenia, Uganda, Tansania, Ruanda und Burundi, bis zum Jahr 2019 das Geschäft mit alten Klamotten zu unterbinden. „Wir werden unter Konsequenzen zu leiden haben“, ahnte Ruandas Präsident Paul Kagame, „aber wir müssen unsere Industrien entwickeln.“ Er treibt seit dem Jahr 2014 eine groß angelegte „Made in Ruanda“-Kampagne voran.

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Fotos: Kolping Recycling